Zeitungsartikel von Nadja Vogt 1


Hier zwei Artikel ais der Märkischen Oderzeitung:

Der erstze vom Montag, den 16.6.

und der zweite vom Donnerstag, den 19.6.

Eiliger Protest gegen Mastanlage

Reichenow (MOZ) Eilends haben sich etwa 30 Bürger in der Gemeinde Reichenow-Möglin zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen. Unter dem Motto „Uns stinkts schon lange“ wollen sie gegen die geplante Vergrößerung der Schweinemast um 2500 Tiere protestieren.

In einem Brief an die Gemeindevertretung, den Thomas Winkelkotte auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung den Kommunalpolitikern übergeben hat, wehren sich die Bürger gegen den geplanten Ausbau. Allerdings, schränkte Winkelkotte ein, bewege man sich derzeit noch im Bereich der Spekulation, da niemand genau wisse, wer die Anlage gekauft habe und was genau er vorhabe. Fakt ist, dass in den Ställen auf dem früheren LPG-Gelände am Ortseingang, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Gutshof, dem Restaurant Kellerstübchen und dem vor der Wiedereröffnung stehenden Schloss Reichenow, bereits 700 Tiere gehalten werden.

„In Reichenow fühlen sich Anwohner schon jetzt von der existierenden Schweinemast-Anlage belästigt. Deshalb haben wir eine Bürgerinitiative gegründet, um den Ausbau möglichst abzuwenden“, heißt es in dem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt. Wie Thomas Winkelkotte dem Gemeinderat weiter berichtete, wünscht sich die Bürgerinitiative Mithilfe und Unterstützung von der Gemeindevertretung, wenn es darum geht, das Bauamt in Strausberg durch gezielte Fragen auf Probleme aufmerksam zu machen, die der Ausbau mit sich bringen könnte und wird, wie es weiter heißt. Dabei geht es zum Beispiel um ein Emissionsgutachten.

Zudem solle der Gemeinderat darauf dringen, zu erfahren, wer der Käufer der Stallanlagen ist. „Wir wollen nicht weiter spekulieren“, sagte Winkelkotte am vergangenen Donnerstagabend im Bürgerhaus in Reichenow.

Der Bürgerinitiative, die sich vor drei Wochen gegründet hat und am Pfingstmontag das letzte Mal und nun am Sonntag das nächste Mal zusammenkommt, geht es vor allem um Emissionen, den Investor, den Standort, Tierschutz und Haltung. Folgende Bitten richtet die BI an die zuständigen Stellen: „Wir bitten das Bauamt darum, die Geruchsemissionen zu überprüfen und auf eine vier Mal größere Anlage hochzurechnen. Wir bitten darum, die auftretenden Betriebsgeräusche der größeren Anlage, die durch Klimaanlage, Futteranlage und eventuell eine Biogasanlage entstehen würden, anhand der Planungsunterlagen genau zu prüfen und eine mögliche Geräuschbelästigung einzuschätzen. Welche Abstandsflächen müssen in Anbetracht der Ergebnisse eingehalten werden?“ Zudem möchten die Mitglieder erfahren, welche Filteranlagen vorgesehen sind, und ob Brandschutzbestimmungen eingehalten werden und wie die Fluchtwege für die Tiere sind. „Auch möchten wir wissen, inwieweit das Grundwasser und der nahe gelegene See durch Nitrate und Antibiotika im Abwasser belastet werden könnten.“

Zudem möchte die Bürgerinitiative erfahren, mit welchem Lkw-Aufkommen durch die Tiertransporte zu rechnen ist und wo die dann in großen Mengen anfallende Gülle gelagert wird. „Schon jetzt steht die Gülle offen da. Das wird dann noch extremer“, spekulierte Reichenows neu gewählter Ortsvorsteher Ralf Hickstein. Zudem liege die Sache in Herzhorn ähnlich wie nun in Reichenow, gab Hickstein weitere Gerüchte wieder.

Um in beiden Fällen Gewissheit zu bekommen, ließen die Gemeindevertreter, dem Antrag von Imma Harms folgend, im Protokoll vermerken, dass es so schnell wie möglich Informationen geben soll. „Wir müssen die Bürger über mögliche Fristen informieren“, drängte Imma Harms. Über die aus Sicht der BI bestehenden Themen in Zusammenhang mit der Massentierhaltung wie Tierleid, Gestank, Gesundheitsrisiken, dem „Märchen“ Arbeitsplatzbeschaffung, dem extremen Wasserverbrauch, den Folgekosten durch Straßenschäden von Lkw und dem Rückgang des Tourismus wollen die Mitglieder der Bürgerinitiative am Sonntag mit Interessierten diskutieren. Dazu laden sie am 22. Juni ab 17 Uhr in das Vereinslokal „delicati“ auf den Gutshof Reichenow ein.

Mast beschäftigt Behörden

Reichenow (MOZ) Gegen die Vergrößerung der Schweinemast in Reichenow regt sich Bürgerprotest. Auch die Amtsverwaltung des Amtes Barnim-Oderbruch und das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt des Landkreises sind mit der Anlage beschäftigt.

„Über die Gemeindevertretung Reichenow-Möglin erreichte das Amt Barnim-Oderbruch ein offener Brief der Bürgerinitiative „Uns stinkts schon lange“ aus Reichenow, Möglin und Herzhorn, in dem diese sich gegen die Nutzung eines landwirtschaftlichen Geländes im Ortsteil Reichenow zur Schweinehaltung wendet“, bestätigt Bau- und Ordnungsamtsleiter Helge Suhr.

Die Gemeindevertretung und die Amtsverwaltung hätten vollstes Verständnis für die Sorgen der benachbarten Grundstückseigentümer sowie der gesamten Einwohner des Ortsteils Reichenow, so Suhr. Es sei wichtig, dass im anstehenden Baugenehmigungsverfahren alle möglichen Beeinträchtigungen zum Beispiel durch Emissionen auf die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen hin geprüft werden. „Die Amtsverwaltung wird deshalb den offenen Brief der Bürgerinitiative an das Bauordnungsamt des Landkreises, das hier die Genehmigungsbehörde ist, weiterleiten“, versichert Helge Suhr.

Im Rahmen des Baugenehmigungsverfahrens wurde die Amtsverwaltung stellvertretend für die Gemeinde im April 2014 beteiligt. Vorgelegt wurde ein Antrag auf Umnutzung eines bestehenden Rinderstalls für die Schweinemast und Ferkelhaltung. „Die Stellungnahme der Gemeinde gemäß Brandenburgische Bauordnung und das gemeindliche Einvernehmen gemäß Baugesetzbuch wurden erteilt“, sagt Suhr. Das Einvernehmen müsse erteilt werden, wenn das Vorhaben nicht einem bestehenden oder geplanten Bebauungsplan oder einer Satzung der Gemeinde widerspricht. „Dies war hier nicht der Fall. Auf Hinweis der Gemeindevertretung aus der Sitzung vom 22. Mai wurde das gemeindliche Einvernehmen auf Grund von Bedenken über Geruchsbelästigungen wegen zu geringer Abstände gegenüber dem Bauordnungsamt wieder zurückgenommen. Dies wird derzeit vom Bauordnungsamt geprüft.“

Am Verfahren ebenfalls beteiligt ist das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt in Seelow, wie dessen Leiter Ralph Bötticher auf MOZ-Anfrage mitteilt. „Wir sind kurzfristig aufgefordert worden, eine Stellungnahme abzugeben“, sagt Ralph Bötticher. Diese betreffe den Tierschutz. Beurteilt werden müsse die Größe der Buchten, die Beleuchtung, die Belüftung, die Einzäunung im Sinne des Seuchenschutzes oder die Kadaverlagerung, gab Bötticher Beispiele.

„Die Bürgerinitiative äußerte Interesse an Informationen zu den künftigen Eigentumsverhältnissen der Grundstücke der geplanten Anlage und forderte die Gemeindevertretung auf, über die Amtsverwaltung entsprechende Kenntnisse zu vermitteln“, so Helge Suhr weiter. Diese Auskünfte erteile hoheitlich das Grundbuchamt im eigenen Ermessen. „Jedoch nur demjenigen, der ein berechtigtes Interesse darlegen kann“, informiert Suhr. Dies seien in der Regel Behörden, Notare, Vermessungsingenieure, Gläubiger der Eigentümer oder benachbarte Eigentümer.

„Jenseits aller geäußerten berechtigten Bedenken zu Emissionen und Umweltbelastungen und ethischen Vorbehalten gegen Massentierhaltung ist jedoch das Interesse des Grundstückseigentümers an einer wirtschaftlichen Nutzung zu wahren“, sagt Suhr. „Das Gelände ist seit Jahrzehnten ein landwirtschaftlicher Standort. In diesem Zusammenhang muss einfach mit davon ausgehenden Belästigungen gerechnet werden“, so der Verwaltungsmitarbeiter abschließend.


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Ein Gedanke zu “Zeitungsartikel von Nadja Vogt

  • nathalie

    Das sind aber gut recherchierte Artikel, danke Thomas für’s reinstellen.
    Und ganz richtig! Wir müssen Klarheit über den Investor gewinnen. Durch den Artikel über Möglin liegt den Verdacht nahe, dass die Lindhorst AG hinter dem Käufer Christoph Netele steckt. Strohmann? Wenn der Inverstor sein wahres Gesicht verbirgt, könnte er auch etwas grösseres in Schilde führen, als vorgegeben. Hat man den Fuß in der Tür, lässt sich leicht die Tür ganz öffnen. So war das ja in Eggersdorf hörten wir von unseren BI Kollegen. Der deutsche Investor hatte dort sehr günstige Kontakte zur Behörde, hatte sogar einige Ämter inne. Als die Sache abgewickelt war, entpuppte sich das Ganze als eine viel grössere Nummer, mit Holländische Firmen und grosse Geldmengen im Spiel.
    Solche Mauscheleien wollen wir nicht hinnehmen. Es ist auch ein Unding, dass das Land weitflächig an Grossinverstoren verkauft wird, und die hiesigen Bauern sich Land für gute Landwitschaft nicht mehr leisten können, weil die Preise dermaßen in die Höhe geschossen sind. Ist das noch Landwirtschaft oder ist das Industrie?
    Das ist keine rhetorische Frage. Ich zitiere aus unserem Brief: „Von der Bürgerinitiative in Eggersdorf haben wir erfahren, dass ein Mastbetrieb von dieser Größe an seinem Standort mindestens 50% des Tierfutters selbst erzeugen muss, also von eigenen Feldern in der Umgebung. Sonst kann man nicht von einem landwirtschaftlichen Unternehmen, sondern von Industrie sprechen.“
    Wenn es Industrie ist, dann fallen die Priviligien weg, die der Landwirtschaft einzuräumen wären.

    Wir müssen darauf achten, dass wir nicht Tür und Tor für eine Industrialisierung unseres Dorfes öffnen. Und an dieser Stelle laden wir Herzhorn und Möglin ein, zu unserem nächtest BI-Treffen zu kommen. Eine Industrialiserung, die nicht nur unser Wasser, unsere Luft verpestet, sondern das Leid von Tieren verursacht, die in Ställen ohne Narkose kastriert und kupiert werden, wie hochkriminelle gehalten werden, obwohl sie kein Verbrechen ausgeübt haben (nein Herr Lindhorst, wir legen keinen Wert auf billiger geht’s nicht mehr, sondern auf gute Qualität, die auf Ethik und nicht auf Profit fußen). Eine Industrie, die das menschlische Maß aus den Augen verliert und die Gemeinde ausnutzt ohne ihr etwas zurück zu geben.