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Volksbegehren gegen Massentierhaltung startete am 15. Juli 2015
Artikel vom: 16.07.2015 | Märkisch-Oderland
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Es ist ein Thema, dass viele Gemüter erregt- Massentierhaltung. Überall in der Region sprießen die Anlagen, in denen Nutztiere für den Verzehr hochgezüchtet werden, aus dem Boden. In der Bevölkerung regt sich Widerstand. In vielen Orten in Märkisch-Oderland und Oder-Spree gibt es Bürgerinitiativen, die sich gegen geplante oder schon vorhandene Massentierhaltung engagieren. Sie kämpfen damit für ein Umdenken in der Agrarpolitik des Landes Brandenburg. Nathalie Percillier ist Mitglied der Bürgerinitiatve „Uns stinkts schon lange“ in Reichenow. Hier soll eine bereits bestehende Schweineanlage um 512 Mastschweine und 2.000 Ferkel erweitert werden. „Ich weiß, dass die Tiere darin leiden und dass das Fleisch, welches dort produziert wird, keine gute Qualität hat und die Leute krank macht. Diese Anlagen vergiften das Wasser und die Felder. Ich will das Problem hier im Dorf benennen und je mehr Leute ich ansprechen kann, umso besser.“ Während die Brandenburgische Landesregierung Massentierhaltung unterstützt und diese mit Landes- und EU-Geldern fördert, sprechen die Bürgerinitiativen von einer Fehlentwicklung in der Agrarpolitik. Folgen wären unter anderem die Verödung des ländlichen Raumes und der Verlust der Vielfalt. Die Gewinne der industriellen Tierproduktion kommen den Dörfern nicht zu Gute. Wolfram Körmer, selbst Anwohner in Hohenstein und ebenfalls ein entschiedener Gegner der Massentierhaltung, kann das Problem noch genauer benennen: „150.000 Hähnchen sind auf engstem Raum zusammengepfercht. Wenn sie ausgewachsen sind, leben 21 Tiere auf dem Quadratmeter in ihrem eigenen Kot und warten auf die Schlachtung, dabei ersticken viele an den Amoniak dämpfen. Das ist nur das, was den Tieren widerfährt, was mit den Menschen passiert, ist mindestens genauso schlimm. Es handelt sich um eine schleichende Vergiftung der Umwelt.“ Marga van Tankeren ist Mitglied der Bürgerinitiative Müncheberg und findet ebenfalls deutliche Kritik an der Massentierhaltung. „Wenn man die Räume vergrößern würde, wäre die Chance, dass Tiere krank werden, viel geringer. Es gäbe da schon Möglichkeiten.“ Für sie ist außerdem wichtig, dass es keine industrielle Tierhaltung ist, sondern dass die Betriebe ihr Futter selbst produzieren, so dass ein vernünftiger Kreislauf möglich ist. Mit Protestaktionen und Unterschriftensammlungen wollen die Akteure auf diese Problematik aufmerksam machen. Trotz des großen Erfolges der Volksinitiative, die von dem Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg initiiert wurde, mit knapp 34.000 Stimmen, wurden die Forderungen der Volksinitiative Brandenburg „Stoppt Massentierhaltung“ vom Landtag mehrheitlich abgelehnt. Aus diesem Grund hat sich das Aktionsbündnis entschieden, ein Volksbegehren zu beantragen.
Trotzdem war es für die Massentierhaltungs-Gegner ein gutes Ergebnis. „Meiner Meinung nach war die Volksinitiative ein großer Erfolg. Normalerweise hätten wir in einem Jahr 20.000 Unterschriften zusammenbekommen müssen, so haben wir in sechs Monaten rund 34.000 Unterschriften gesammelt. Das zeigt schon, dass es da ein gewisses Interesse bei der Bevölkerung gibt“, findet Dietmar Kühn von der Bürgerinitiative aus Hohenstein. Aber davon hat man sich nicht entmutigen lassen, denn nun sind alle Brandenburger gefragt. Am 15 Juli 2015 startete ein Volksbegehren gegen Massentierhaltung in Brandenburg. Mit einer Unterschrift kann sich jeder Wahlberechtigte ab dem 16. Lebensjahr gegen die industrielle Tierhaltung, das Kupieren von Schwänzen bei Schweinen und Schnäbeln bei Hühnern sowie die Einführung eines Mitwirkungs- und Klagerechtes für anerkannte Tierschutzverbände aussprechen. 80.000 Unterschriften braucht es für den Erfolg des Volksbegehrens. In diesem Fall muss sich dann der Landtag erneut mit den Forderungen befassen. Wird das Begehren wiederum abgelehnt, käme es zum Volksentscheid.
Bei einem Volksbegehren in Brandenburg dürfen die Unterschriften nicht direkt auf der Straße gesammelt werden. Daher können sich alle Bürgerinnen und Bürger aber persönlich im Bürgeramt des Wohnorts in das Volksbegehren eintragen. Man kann sich die Unterlagen auch direkt nach Hause bestellen. Alle weiteren Informationen gibt es im Internet unter www.volksbegehren-massentierhaltung.de. Die Volksinitiative läuft noch bis zum 14. Januar 2016.

BU: Die Forderungen der Volksinitiative „Stoppt Massentierhaltung“ des Aktionsbündnisses „Agrarwende Berlin-Brandenburg“ wurden vom Landtag abgelehnt, nun läuft das Volksbegehren, bei dem jeder wahlberechtige Brandenburger mitentscheiden darf.

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