Presse


Antibiotika im Grundwasser

BERLIN taz | Jost Maurin 

Wieder sind Antibiotika, die in der Tierhaltung verwendet werden, im Grundwasser gefunden worden: Im Landkreis Cloppenburg hat der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband erstmals den Wirkstoff Sulfadimidin nachgewiesen. Dieser ist ausschließlich als Tierarzneimittel zugelassen. Vermutet wird, dass Schweine das Medikament bekamen, mit deren Exkrementen Bauern Felder oder Wiesen düngten. "Die drei betroffenen Messstellen liegen unter landwirtschaftlich genutzten Flächen", sagte Wasserwerksbereichsleiter Egon Harms der taz. "Die Tierzahlen in dieser Region steigen stetig."

Hier der Link zum Artikel: http://www.taz.de/pt/2014/11/11/a0061.nf/text

Resistenzüberwachung

Im Rahmen der Deutschen Antibiotika- Resistenzstrategie (DART) werden Überwachungssysteme geschaffen, um die Daten zu Antibiotikaresistenzen zentral zu erfassen. Dazu gehört u. a. das Projekt „Antibiotika-Resistenz- Surveillance“ (ARS). Die teilnehmenden Laboratorien führen mikrobiologische Untersuchungen von Proben aus medizinischen Versorgungseinrichtungen und Arztpraxen durch und übermitteln die Resistenzergebnisse an die Zentrale im Robert Koch-Institut.
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Coli


MOZ vom 06.11.2014

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NADJA VOIGT 06.11.2014 00:53 UHR
RED. BAD FREIENWALDE, FREIENWALDE-RED@MOZ.DE

Bürgerinitiative plant Museum

Bad Freienwalde (MOZ) „Wir wollen der Massentierhaltung einen Platz in der Geschichte geben“, begründet Martin Hollants aus Reichenow seinen Vorschlag zur Errichtung eines Museums. „Sie gehört zur Vergangenheit, nicht zur Gegenwart“, ist der Gegner von industriell produziertem Fleisch überzeugt.


Fleischkonsum ist keine Privatsache – MOZ 17.10.14

Liebe Mitstreitende,

Herr Neteler und seine MitarbeiterInnen haben sich wohl sehr über diesen Beitrag in der MOZ v. 17-10.2014 geärgert:

17.10.moz

Die Haltung von Ferkeln in einer Sterilen Umgebung sei nicht barbarisch.

Die meisten von Euch interessiert das Leiden der Tiere wenig, ich weiss.
Tiere werden als Sachen gesehen und Sachen leiden nicht.
Von daher mag der Vorwurf der Barbarei vielen als unverständlich oder übertrieben erscheinen.
Diese Video eines weinenden Kalbs hat mich sehr berührt, vielleicht berührt es euch auch.


Moz 16.10.2014

Sonderangebot mit Haken
(MOZ) Gibt es am Sonntag bei Ihnen auch Schweinerouladen? Das Angebot einer großen Supermarktkette war aber auch verführerisch. Für nur sechs Euro pro Kilo gehen derzeit zarte Stücke aus der Oberschale über die Theke. Ein unschlagbarer Preis – allerdings mit Haken. Denn die Folgekosten der industriellen Fleischproduktion sind darin nicht enthalten. Ob nun die schlechten (mehr …)


Moz 17.10.2014

Berlin (MOZ) Der Höhepunkt des Fleischkonsums in Deutschland scheint vorbei zu sein – 2013 hat jeder im Schnitt zwei Kilo weniger Fleisch gegessen als im Jahr zuvor. Problematisch bleiben aber die Belastung der Umwelt und die große Verschwendung.

So wirft jeder deutsche Endverbraucher im Schnitt 4,3 Kilogramm Fleisch weg. Das geht aus dem „Fleischatlas Extra“ hervor, den die Heinrich-Böll-Stiftung anlässlich des Welternährungstages am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach landen jährlich 346 Millionen Kilogramm Fleisch im Müll – mit dieser Menge könnte man 8500 Lkw füllen. Von den insgesamt 750 Millionen Tieren, die in Deutschland geschlachtet wurden, hätten 45 Millionen Hühner, vier Millionen Schweine und 200 000 Rinder am Leben bleiben können. (mehr …)


Lecker, lecker

ULRICH THIESSEN 28.08.2014 19:46 UHR

Grüne warnen vor Antibiotika in Tierhaltung

Potsdam (MOZ) Brandenburgs Grüne haben Mettwurst und Mettbrötchen aus 25 Fleischereien und Supermärkten in ganz Brandenburg untersuchen lassen. In 15 Fällen fanden sich sogenannte Krankenhauskeime wieder, die gegen Antibiotika resistent sind.
Die Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher, selbst Medizinerin, verwies darauf, dass die ESBL-Keime – so der Fachbegriff – vor allem bei chronisch kranken Menschen und solchen mit geschwächtem Immunsystem Krankheiten auslösen können. Aber auch für den Rest der Bevölkerung stellen sie ein erhebliches Risiko dar, da sie dazu führen können, dass Antibiotika im Krankheitsfall nicht mehr wirken.
Die Ursache für die ESBL-Keime in dem roh verarbeiteten Schweinefleisch wird in der Beimengung von Antibiotika in Tierfutter gesucht. Grünen-Fraktionschef Axel Vogel sieht einen direkten Zusammenhang mit der Massentierhaltung, die in den letzten fünf Jahren in Brandenburg ausgebaut worden sei. Die beengte, nicht artgerechte Haltung vor allem von Schweinen und Geflügel führe zu Verletzungen, Stress und Erkrankungen. Deshalb würden Medikamente in großen Mengen eingesetzt.
Vogel räumte ein, dass Bioprodukte nicht automatisch ohne den Einsatz von Antibiotika auskommen. Dazu müsse der Verbraucher auf entsprechend zertifizierte Produkte achten.
Vogel warf der Landesregierung vor, die Massentierhaltung in den vergangenen Jahren mit der Gewährung von Fördermitteln unterstützt zu haben. Außerdem würde zu wenig kontrolliert, und es gebe keinen Überblick über den Einsatz von Antibiotika in brandenburgischen Ställen und Mastanlagen.
Das Umweltministerium erklärte dazu, dass der Einsatz von Antibiotika nicht in der Verantwortung der Überwachungsbehörden liege, sondern Tierhalter und behandelnde Tierärzte zuständig seien. Außerdem wurde darauf verwiesen, dass seit Anfang Juli eine gemeinsame Datenbank der Bundesländer zur Erfassung des Medikamenteneinsatzes in der Tierhaltung arbeitet. Damit sollen sogenannte Vielverbraucher identifiziert werden. Mit ersten Ergebnissen und Konsequenzen für Tierhalter sei allerdings erst Mitte kommenden Jahres zu rechnen, hieß es seitens des Ministeriums.
© 2014 MOZ.DE MÄRKISCHES VERLAGS- UND DRUCKHAUS GMBH & CO. KG


MOZ vom 27.08.2014

NADJA VOIGT 27.08.2014 07:52 UHR
RED. BAD FREIENWALDE, FREIENWALDE-RED@MOZ.DE

Freiland-Schweinehaltung eine Option
Reichenow (MOZ)
„Wir prüfen ernsthaft das Angebot, die Stallanlage in Reichenau zu erwerben“, sagt Martin Hollants. Dazu hat sich der Reichenower Imker, gemeinsam mit anderen Interessierten der Bürgerinitiative „Uns stinkt’s schon lange“ in Tierbetrieben umgesehen.
„Uns geht es um eine artgerechte Tierhaltung“, unterstreicht Martin Hollants. Um sich darüber zu informieren, wie diese aussehen und wirtschaftlich betrieben werden kann, besuchte er mit anderen Mitgliedern der Bürgerinitiative „Uns stinkt’s schon lange“ Tierbetriebe. So zum Beispiel den Öko-Landhof von Frank Prochnow in Jahnsfelde bei Seelow. „Dort stehen die Schweine auf Stroh und Erde, sind im Stall und im Außengehege untergebracht“, berichtet Hollants. Zudem komme der Landwirt fast ohne Antibiotika aus und die Tiere seien artgerecht untergebracht. „Schweine sind sehr soziale Tiere, dort können sie auch interagieren und haben weder abgebissene Ohren noch Schwänze“, schildert Hollants. Zudem könne der Betrieb jederzeit besichtigt werden. „Überzieher über den Schuhen sind die einzige Vorsichtsmaßnahme“, sagt Hollants mit Blick auf hermetisch abgeriegelte Mastanlagen.
„Die Empfehlung von Jürgen Lindhorst bei der Diskussionsrunde im Kellerstübchen hat unser Interesse geweckt“, sagt Hollants. Er ist Mitglied der Bürgerinitiative, die inzwischen 50 Mitglieder hat. Von denen seien, berichtet der gelernte Erzieher, der in Reichenow lange als Tagesvater tätig war und Mitglied des Gemeinderates ist, nicht alle gegen die konventionelle Schweinehaltung, aber eben ein Teil. Einig seien sich alle BI-Mitglieder darin, dass sie die Geruchsbelästigung der bestehenden Anlage der Landwirtschaftsgesellschaft nicht weiter hinnehmen wollen und durch die geplante Erweiterung noch mehr Einbußen an Lebensqualität befürchten, so Hollants weiter. Das Angebot von Jürgen Lindhorst, die alte Stallanlage zu kaufen, prüfe die BI derzeit ernsthaft. „Dies haben wir ihm auch in einem Schreiben mitgeteilt“, sagt Hollants. Eine Option sei, selbst eine Freiland-Schweinehaltung zu etablieren. Dazu, berichtet Martin Hollants, habe sich die BI auch bei Bauer Bernd Schulz aus Gömnigk (Potsdam-Mittelmark) ein Bild von dessen Betrieb gemacht.
„Dort hat die Wurst ein Gesicht“, lacht Martin Hollants. Auf den Deckeln der Wurstprodukte finde sich jeweils ein Bild vom entsprechenden Tier. „Das kommt beim Verbraucher sehr gut an“, ist Hollants überzeugt. Weiterhin habe ihn die Haltung der Tiere überzeugt: ganzjährig draußen, in Gruppen, mit Wasserstellen, Futterplätzen und Unterstellmöglichkeiten.
„Sollten wir uns entschließen, eine artgerechte Haltung zu initiieren, dann wäre dieser Betrieb unser Vorbild“, sagt Martin Hollants. Ebenfalls in Potsdam-Mittelmark habe die BI aus Reichenow Kontakt zu einer lokalen Aktionsgruppe in Niebel, einem Ortsteil von Treuenbrietzen, aufgenommen. „Auch dort wehren sich Bürger gegen eine geplante Schweinemastanlage“, berichtet Martin Hollants. Mit dem Vereinsvorsitzenden, Otto-Wilhelm Pöppelmeier, stehen die Reichenower in engem Kontakt, so Hollants. „Es ist angedacht, uns mit diesen und anderen Tiermast-Gegnern enger zu vernetzen“, kündigt er an.
© 2014 MOZ.DE


MOZ vom 26.08.2014

NADJA VOIGT 26.08.2014 08:14 UHR
RED. BAD FREIENWALDE, FREIENWALDE-RED@MOZ.DE

„Da tat sich ein Graben auf“
Reichenow/Möglin (MOZ)
Ein Riss scheint durch die Gemeinde Reichenow-Möglin zu gehen: In Möglin leben viele Mitarbeiter der Schweinemastanlage und fühlen sich von den Gegnern des geplanten Stalls massiv unter Druck gesetzt, heißt es. Um diese Gräben zu überwinden, haben die Gemeindevertreter auf der jüngsten Sitzung lange nach Lösungen gesucht.
Ein Lösungsansatz könnte sein, weiter im Gespräch zu bleiben. So lädt die Bürgerinitiative „Uns stinkt’s schon lange“ (BI) am 1. September um 19 Uhr ins Gemeindezentrum Möglin. „Die Konfrontation mit den Schweinestallbetreibern hat wenig Raum für eine direkte Auseinandersetzung zwischen den anwesenden Reichenowern und Möglinern selbst gelassen. Es ist aber wichtig, dass wir uns gegenseitig zuhören und uns ernst nehmen“, heißt es in einem Infoblatt, das Imma Harms auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung verteilte.
„Wie verhalten wir uns zur Tierhaltung, gegenüber dem Konzern und zum Thema Geruchsbelästigung“, formulierte die Gemeindevertreterin und Mitglied der BI für sie anstehenden Fragen. „Ich fand auch, dass sich ein Graben zwischen Möglin und Reichenow aufgetan hat“, blickte Martin Hollants, ebenfalls Gemeindevertreter und BI-Mitglied, auf die Diskussionsrunde zu Beginn des Monats im Kellerstübchen mit Christoph Neteler und Jürgen Lindhorst zurück. Dieser Eindruck habe sich inzwischen jedoch relativiert.
Gemeindevertreter Daniel Thiem kritisierte in diesem Zusammenhang das Vorgehen der BI. „Es gibt Mitarbeiter der Mastanlage, die sich belästigt fühlen und Angst haben“, berichtete der Mögliner. Seiner Meinung nach sollte sich die Gemeinde Reichenow-Möglin neutral zu der anstehenden Vergrößerung der Stallanlage verhalten, forderte er.
„Wir sind als Bürger offen engagiert und als Gemeindevertreter haben wir Stellung gegen die bestehende Geruchsbelästigung bezogen“, erläuterte Imma Harms ihre Position. Als Gemeinde müsse man darauf bestehen, Mitwirkungsrechte zu haben und diese auch einzufordern. Dabei sei es unerheblich, wie sie persönlich zur Tierhaltung stehe. „Aber es gibt doch gesetzliche Verordnungen zum Bau von Stallanlagen und zur Haltung der Tiere“, warf Daniel Thiem ein. „Doch auf die Einhaltung müssen wir achten“, argumentierte Martin Hollants. „Ist dafür nicht das Bauamt verantwortlich?“, hakte Thiem in der Diskussion am vergangenen Donnerstag im Gemeindezentrum Herzhorn nach. Die Behörde hätte weder Personal noch Kapazitäten, alles selbst zu prüfen, sagte Hollants.
Er und Imma Harms haben Zweifel, das die bestehende und die geplante Anlage tatsächlich zwei getrennte Betrieb sind, wie sie deutlich machten. Nach Aussage von Jürgen Lindhorst, auch gegenüber dieser Zeitung, sei ein Verfahren nach Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht nötig. „Wenn beide Anlagen zusammen betrieben werden, unterlaufen sie jedoch die Genehmigung. Und wenn die Auflagen nicht eingehalten werden, laufen sie ohne Genehmigung“, führte Imma Harms die Recherchen aus.
© 2014 MOZ.DE


MOZ vom 25.08.2014

© MOZ/INGA DREYER
„Was ist ein Schwein ohne Schwanz?“
Reichenow (MOZ) Wie sieht Brandenburger Landwirtschaft in zehn Jahren aus? Über wünschenswerte Szenarien diskutierte die Reichenower Bürgerinitiative am Sonnabend mit Politikern und einer Vertreterin des BUND. Der Abend mit Demonstration, Schweine-Performance und Party stand unter dem Motto „Free the

Mit blonder Perücke und Sakko in die Rolle einer Fernsehmoderatorin geschlüpft, kündigt Nathalie Percillier von der Bürgerinitiative „Uns stinkt’s schon lange“ einen seltenen Gast an. Kurz darauf rollt ein alter Mercedes vor das Amphitheater auf dem Gutshof Reichenow. Ein Mann mit Schweinenase steigt aus. Es ist Nummer 75-91, ein Schwein, das eine Mastanlage überlebt hat. In Nathalie Percilliers vor Sarkasmus triefender Schweine-Performance erzählt 75-91, gespielt von BI-Mitglied Peter Beck, von seinen Erfahrungen. „Ich konnte nicht bis zehn zählen, da war ich kastriert – ohne Betäubung.“ Auch sein Ringelschwanz sei abgefackelt worden. „Was ist ein Schwein ohne Schwanz?“, fragt das traumatisierte Schwein rhetorisch.
Die Bürgerinitiative, die gegen eine geplante Schweinemastanlage in Reichenow kämpft, hatte für Sonntag zur Podiumsdiskussion eingeladen. Debattiert wurde über Landvergabe, Bedingungen für Tierhaltung sowie die Folgen für Verbraucher und Umwelt. Zu Beginn zeigten sich die Gäste noch einig. Auf die Frage, wie sie sich die Landwirtschaft der Zukunft vorstellen, antwortete Axel Vogel, Fraktionssprecher der Grünen im Landtag: „Ich wünsche mir, dass die Konzentrationsprozesse gestoppt werden.“ In Brandenburg sollten wieder bäuerliche und ökologische Landwirtschaft einziehen. „Ich wünsche mir, dass Deutschland nicht mehr Billigfleisch-Exportweltmeister ist.“ Auch Martin Hollants, Reichenower, Gemeinderats- und BI-Mitglied, wünschte sich kleine und mittelständische Unternehmen im Ort, die an den regionalen Kreislauf angebunden sind. Michael Luthardt, argrarpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion im Landtag sprach sich für mehr Brandenburger Produkte auf Berliner Bio-Märkten aus und weniger „Heuschrecken“, die sich Land unter den Nagel reißen. Reinhild Benning, Leiterin des Bereiches Agrarpolitik beim BUND erläuterte, dass die Gesellschaft für Billigfleisch nicht nur an der Theke zahle. Hinzu kämen die ökologischen Folgekosten – etwa durch die Wasseraufbereitung, drittens Agrar-Subventionen und viertens der Verlust wirksamer Antibiotika. Bernd Benser, Direktkandidat der CDU für den Wahlkreis 33, plädierte für kürzere Wertschöpfungsketten und unterstrich, dass das Bewusstsein der Verbraucher geschärft werden müsse.
An diesem Punkt schieden sich Geister. Man könne beispielsweise Hartz IV-Empfängern nicht vorwerfen, billiges Fleisch zu kaufen, argumentierte Axel Vogel. Auch Reinhild Benning kritisierte Schuldzuweisungen an Verbraucher. Trotz eines Rückgangs des Schweine-Konsums in Deutschland werde nach wie vor viel zu viel produziert. Das drücke die Preise so, dass nur große Betriebe überleben könnten. Im ökologischen Segment hingegen sei die Nachfrage viel größer als Angebot, zitierte sie eine Studie der Universität Göttingen.
Die Expertin des BUND hakte immer wieder nach und forderte von den Politikern, die dem Vernehmen nach die Ziele der BI unterstützen, konkrete Zielvorgaben. Besonders Michael Luthardt wurde als Vertreter einer Regierungspartei in die Zange genommen. Brandenburg fördere die Ansiedlung riesiger Betriebe, kritisierte unter anderem Axel Vogel. Luthardt brachte die Idee einer landeseigenen Vergabegesellschaft des Landes ins Spiel und forderte, es müssten Obergrenzen für Tierhaltung geschaffen werden. Dass diese sich nicht alleine nach Tieren pro Quadratmetern bemessen werden könne, wurde mehrfach betont. Es müsse berücksichtigt werden, wie viele Flächen zum Anbau von Futtermitteln und zum Ausbringen der Gülle es gebe, forderte Reinhild Benning.
Bernd Benser, als Konservativer Außenseiter in der Grün-Roten Runde, betonte wiederholt, seine Partei habe Hausaufgaben zu erledigen und müsse sich bei der Aufklärung von Bürgern engagieren.


MOZ vom 08.08.2014 1

NADJA VOIGT 08.08.2014 07:58 UHR
RED. BAD FREIENWALDE, FREIENWALDE-RED@MOZ.DE
Lindhorst überrascht mit Angebot
Reichenow (MOZ) Zu einer Diskussionsrunde kamen die Mitglieder der Bürgerinitiative „Uns stinkt’s schon lange“ am Mittwoch in Reichenow gemeinsam mit Jürgen Lindhorst und Christoph Neteler zusammen. Erstmals setzten sich damit Gegner und Betreiber der bestehenden und geplanten Mastanlage an einen Tisch.
Mit dem Ergebnis, dass Jürgen Lindhorst, Geschäftsführer der Landwirtschaftsgesellschaft Reichenow und Vorstandsvorsitzender der JLW Holding, zwei Dinge zusicherte: Zum einen schließt er nach der derzeit geplanten Umnutzung des Kuhstalls – zur Unterbringung von 2000 Ferkeln und 512 Mastschweinen – eine Erweiterung der Tierhaltung in jeglicher Form in Reichenow aus.
Zum anderen will der Unternehmer prüfen lassen, inwieweit es möglich ist, über das geforderte Maß hinaus, freiwillig Geruchsfilter in die bestehende Mastanlage einbauen zu lassen. Denn die Geruchsbelästigung war dem Vernehmen nach das, was die Besucher in der bis auf den letzten Platz gefüllten Festscheune in Reichenow am Mittwochabend vereinte. „Wir liegen in der Hauptwindrichtung. Der Gestank kommt in Intervallen und verjagt die Gäste“, kritisierte Gastgeber Hartmut Wegner.
Er sei seit 56 Jahren im Ort und es habe in dieser Zeit immer Landwirtschaft gegeben. Doch er habe nun Angst, dass mit dem neuen geplanten Stall die Geruchsbelästigung noch weiter steige, sagte der Wirt. Er appellierte an die Unternehmer, das Leben im Dorf müsse erträglich bleiben. „Früher gab es in den Ställen keine Zwangsentlüftung und es herrschte normale Landluft“, sagte er. Das habe sich mit der bestehenden Anlage geändert. Bis zu 4800 Tiere können dort untergebracht werden, sagte Christoph Neteler auf Nachfrage. „4000 sind es derzeit.“ Der Betreiber saß gemeinsam mit Nathalie Percillier von der Bürgerinitiative (BI) als Moderatorin und Jürgen Lindhorst sowie dem Betriebsleiter aus Schulzendorf, Dirk Reinkens, und weiteren Mitgliedern der BI auf dem Podium.
Überraschend kündigte Jürgen Lindhorst an, er würde von seinen Plänen im Bezug auf die geplante Umnutzung des früheren Kuhstalls auch zurücktreten, und der Bürgerinitiative das Objekt zum Preis von 170 000 Euro verkaufen oder langfristig verpachten. „Weiterhin bieten wir an, das benötigte Futtergetreide, was wir in Reichenow oder Schulzendorf anbauen, zur Belieferung für die Schweinemast in Reichenow zu reservieren“, versicherte Jürgen Lindhorst am Donnerstag in einem Schreiben an die Gemeinde. „Wir sichern außerdem im Falle eines Erwerbs oder einer Pachtung zu, dass wir genau wie bei dem Betrieb Neteler Flächen zur Verfügung stellen, um Gülle oder Festmist heraufbringen lassen.“