Zum Regionaltreffen am Samstag


Liebe Mitstreiter,

am 14.3. treffen wir uns ja zur nächsten Regionalkonferenz der BIs.

Da wird auf jeden Fall eines der Themen sein, wie wir mehr Menschen
für die Probleme der Massentierhaltung / Landwirtschaft sensibilisieren
können.

Bitte schaut euch in Vorbereitung die Beiträge zur Diskussion um ein
Volksbegehren in Brandenburg an. Ich weiß, das ist wieder eine ‘Menge
Holz’, aber genau darüber sollten wir uns auch unterhalten:

– wie können wir am besten wirken ?
– welche Ressourcen haben wir und wofür setzen wir sie ein ?
– sollten wir jetzt ein Volksbegehren starten ?

Weiter unten habe ich noch die schriftliche Meinungsäußerung von
Sybilla Keitel angehängt, auch sehr interessant !

Herzliche Grüße

Wolfram

 

 

——– Original Message ——–
Subject: Volksbegehren: Beitrag zur Debatte (10-Mrz-2015 11:18)
From: Sybilla l
To: j.lesmeister@foel.de

Liebe Alle,

vorausschicken will ich: grundsätzlich halte ich alle gestern vorgetragenen Pro- und Contra Argumente für nachvollziehbar. Eine Entscheidung fällt mir nicht leicht.
Zur weiteren Debatte hier mein schriftlicher Beitrag.

Für mich bleibt eine Kardinalfrage, die nicht geklärt ist, an deren Beantwortung meiner Meinung nach jedoch Vieles hängt:

Warum wurde die Volksinitiative gegen Massentierhaltung von fast allen Parteien “im Schnellverfahren” abgeschmettert ?
Und zwar, wie ihr sagt, als knallharte Machtdemonstration ?
Und das , obwohl jeder weiß, dass 34 000 Unterschriften demokratisch betrachtet alles andere als eine Kleinigkeit sind. Und sich inzwischen herumgesprochen haben dürfte, dass Schweine keine Ware, weil nichts anderes als Hunde sind, dass die Tiere Qualen leiden, dass die Umwelt zerstört wird und das Klima. Und dass wir die Märkte in der 3. Welt kaputtmachen und selbst erkranken. Warum nur ? Und auch noch ” kaltschnäuzig” ?

Das muss einen zu der Überlegung führen, welche Interessen dahinter stecken:
sind jetzt alle einer ungebremsten Wachstumsideologie verfallen, egal , ob Schweine oder Autos ? Rennt man Magic Woidke hinterher wie dem Rattenfänger von Hameln ? Wollen alle täglich Tiere essen ? Fürchtet man sich vor der Willkürherrschaft Vogelsängers ? Ist Leib und Leben bedroht ? Wird Parteidisziplin mit Karriere belohnt ? Hat man einen Eid geschworen ? Ist man erpressbar ? Wurde man möglicherweise sediert/ chloroformiert/ geschmiert ? Wird der Landtag von “oben” gesteuert bzw. von Brüssel ? Haben die großen Futtermittelkonzerne ihre Finger / Lobbyisten ihre Finger auch in Potsdam im Spiel ? Ist es der reine Verdienst, der lockt ? Oder sind einfach alle strunzdumm und verlogen bis auf die Knochen ?
Über solche Motive/ Abhängigkeiten/ Zwänge/ Handlungsspielräume wüsste ich gern bescheid, denn um den reinen, gesunden Menschenverstand geht es ja ganz offensichtlich nicht.

Mögliche Hintergründe: durch meine Recherchen über die Zulassungspraxis von Pestiziden weiß ich, dass in Brüssel Kommissionen in ihrer unabhängigen Bewertungsarbeit “von oben” gestoppt werden, wenn sie Pestizide wegen Krebsgefahr vom Markt nehmen wollen, so wie im Januar durch Catherine Day, EU-Generalsekretariat. Erwarteter Umsatzausfall für 31 PSM auf dem Index wäre 8-9 Milliarden gewesen ( Manchester Guardian/ Nancy Swanson/ The Sparc/ etc.). Ebenso, das habe ich gestern erwähnt, ist mir bekannt, dass es eine globale Agenda der großen Futtermittelkonzerne gibt, ihr System weltweit durchzusetzen, wobei den Regierungen die Rolle zugewiesen ist, diese umzusetzen ( ” Ambassadors” ). Es reicht schon, sich mal die Website von Monsanto anzugucken, da steht es recht unverblümt. Klagen der Landwirte auf legalem Weg in den USA bis durch alle Instanzen scheinen danach sinnlos: leitender Richter am Supreme Court ist Clarence Thomas, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender von Monsanto. Auch Barack Obama ist ein Monsanto- Mann, und Hillary Clinton, die in den Startlöchern steht, ebenso, Hi TTiP ! Wir sollten uns nicht vormachen, dass deren Lobbyisten in Sachen Fleischproduktion = Saatgut/Futtermittelerzeugung nicht auch bei uns in Europa ganze Arbeit leisten. ( Quelle: Food & Water Europe, Brüssel). Wer mal einen Vortrag von Jörg Bergstedt gehört hat, weiß, mit welcher Verfilzung von Wirtschaft und Politik wir es auch hier in Deutschland zu tun haben.

Beispiel: keine Behörde schützt uns hier vor Pestiziden, sie reden sich immer nur raus, obwohl die Bienen sterben- und alle anderen Wildtierarten auch, rapide. Diese sollen aber weiter genehmigt werden, obwohl doch deutlich auf den Packungsbeilagen steht (!) , dass sie krebsererregend sind, auch in FFH- Gebieten, wer kann das noch begreifen . Jährlich 44 000 dieser Gifte müssen wir einatmen durch ihre Abdrift, allein der Glyphosatverkauf ist von 2005 – 2010 um 500% gestiegen, parallel dazu auch die Krebsrate, die laut WHO- Prognose noch weiter steigen wird. Dieser Skandal ist bei uns möglich. Wir aber glauben immer noch, dass wir in Deutschland nicht käuflich sind.

Bevor ich also kopflos weiterkämpfe und mich für ein Volksbegehren verheize, weil ” alle” das jetzt von uns erwarten ( und sich entspannt-gespannt zurücklehnen…) würde ich gern wissen, womit ich es zu tun habe und wer mein eigentlicher Gegner ist. Aktionismus ist was Schönes, weil er immerhin Aufmerksamkeit erregt und das Thema am Kochen hält, und das ist kein schlechtes Argument. Ich möchte meine Energie jedoch nicht verschleudern, um für etwas zu kämpfen, was voraussehbar ebenso schneidig abgeschmettert werden wird. Ich würde gern etwas erreichen.

Deshalb hätte ich einen sehr pragmatischen Vorschlag: die Sache vor Gericht zu bringen. Ich habe mich mal mit unserem Anwalt darüber unterhalten, wie man weiterkommen könnte, und ob wir es denn wenigstens noch mit einer unabhängigen Justiz zu tun haben, wovon er ausgeht. Ich denke, das könnte vielleicht ein Weg sein: eine Kampagne nicht gegen d i e Massentierhaltung allgemein , sondern mal an einem konkreten Beispiel, vielleicht Tornitz, ein öffentliches Exempel statuieren und alle Energien da rein zu stecken. Öffentlich machen, über welche Gesetze sich die Behörden mit allen Tricks hinwegsetzen und sie mit Hilfe honorig bezahlter Anwälte zurechtbiegen, damit der Investor gewinnt. Eine Kampagne, die die korrupte Genehmigungspraxis in Deutschland an den Pranger stellt – was auf alle anderen Tierfabriken sofort Auswirkungen hätte. Ich bin davon überzeugt, dass wir innerhalb des Parteienklüngels keine Chance haben: der Showdown muss vor Gericht stattfinden.

Ich werde mich aber keiner Entscheidung entgegenstellen, auch wenn es vielleicht nicht meiner Überzeugung entspricht, dass sie sinnvoll ist. Den augenblicklichen Entscheidungsdruck sehe ich auch.

Anmerkung zum Schluss: auch wenn wir “Aktionsbündnis” heißen, sollte zwischendurch die Zeit da sein für Reflexion der Bedingungen/ Zwänge/ Abhängigkeiten eines zielgerichteten Handelns. Wo man sich trifft, um über Hintergründe zu sprechen, ein Buch oder dessen Theorien vorstellt, sich Rat holt bei Insidern verschiedenster Provenienz und diese einlädt, laterales Denken in Gang gesetzt wird und Möglichkeiten ins Auge gefasst, an die bisher vielleicht noch gar nicht gedacht wurde. Wir haben es offenbar mit einer weltweit operierenden Wirtschaftsallianz zu tun – und wenn wir nicht unverdrossen wie die Hamster im Laufrad dagegen anrennen wollen, sollten wir uns Wissen/ Erkenntnisse aneignen und das vernetzen, egal, ob man das nun thinktank nennt oder Stammtisch ( jedenfalls sollte das alles andere sein als bloße “Selbstbeweihräucherung”, wie du mir schriebst, lieber Michl). Ich denke an sowas wie Wissenstransfer, und das hilft unserm Kampf auf lange Sicht unbedingt weiter.

Gruß Sybilla

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